Schluss mit „Null-Euro-Praktika“ nach Ausbildung oder Studium
"Praktika für Berufseinsteiger nach erfolgreich absolvierter Ausbildung oder Studium sind durchaus eine hilfreiche Unterstützung wenn es darum geht, sich nach dem teilweise mühsamen Erwerb von beruflichen Qualifikationen beruflich zu orientieren oder einen ersten Job-Einstieg zu schaffen. Es ist aber leider auch häufig zu beobachten, dass hoch qualifizierte junge Menschen zwar offiziell als PraktikantInnen eingestellt sind, tatsächlich aber "Null-Euro-ArbeitnehmerInnen" sind. Insofern sind die jetzt von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) unterbreiteten Vorschläge insbesondere nach einer angemessenen Vergütung von Praktika nach Ausbildung oder Studium zu begrüßen," teilt der Landesvorsitzende der Grünen in Bremen, André W. Heinemann, mit.
Laut der aktuell vorgestellten Studie des Internationalen Institutes für Empirische Sozialökonomie (inifes) ist jede(r) Fünfte Berufseinsteiger im Alter zwischen 18 und 34 Jahren Praktikant. Dabei sind 51 % der freiwilligen Erst-Praktika unbezahlt und weitere 12 % unangemessen vergütet, d.h. fast 2/3 dieser Praktika sind inakzeptabel. Und dabei handelt sich hierbei ausnahmslos um PraktikantInnen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Mehr als 80 % der freiwilligen PraktikantInnen haben dabei angegeben, dass sie mit mehr als 50 % ihrer Praktikumszeit als normale Arbeitskräfte eingesetzt worden sind. Daher liegt die Vermutung sehr nahe, dass entsprechende Unternehmen eher Interesse an unbezahlten Arbeitskräften haben. Lediglich 22 % derjenigen jungen qualifizierten Beschäftigten, die im Verlauf ihres beruflichen Einstiegs ein Praktikum absolviert haben, sind von demselben Arbeitgeber übernommen worden.
"Es bleibt nur zu hoffen, dass jetzt die über zwei Jahre laufende Debatte über die "Generation Praktikum" endlich an Klarheit gewinnt und zu politischem Handeln im Bund führt. Es gibt einen klaren Handlungsauftrag. Die Vorschläge von Bundesarbeitsminister Scholz gehen hier in die richtige Richtung. Faire Praktika müssen das Ziel sein. Darüber hinaus muss aber das Kernproblem angegangen werden. Die prekäre Praxis, dass mehrmonatige Praktika von gut ausgebildeten jungen Menschen teilweise reguläre Jobs ersetzen, muss endlich unterbunden werden," so Heinemann abschließend.
Schlachte 19/20, 28195 Bremen