Die Koalition will bis 2009 den Hochschulen 18 Mio. EUR mehr zur Verfügung stellen (2007: 3 Mio. EUR/ 2008: 7,5 Mio. EUR/ 2009: 7,5 Mio. EUR). Mit diesem Geld soll der Umstrukturierungsprozess der Hochschulen unterstütz werden und die Qualität der Lehre sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen gesichert werden.
Wissenschaft
Wissenschaft, Forschung und neue Technologien sind Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Stadtstaates. Hier entstehen neue Ideen, neue Produkte und hochwertige Arbeitsplätze. Bremen und Bremerhaven gewannen als erste im Jahre 2005 den Titel „Stadt der Wissenschaft“ und die Universität spielte im Exzellenzwettbewerb eine hervorgehobene Rolle. Die Gründung des DLR Instituts für Raumfahrtsysteme in Bremen und die Übersiedlung des Instituts für Fischereiökologie nach Bremerhaven sind aktuelle Beispiele für diese positive Entwicklung. Daran werden wir anknüpfen und den Wissenschaftsstandort Bremen und Bremerhaven weiter stärken.
Die Hochschulen müssen die Möglichkeit haben, ihr hohes Niveau in der Forschung zu halten und gute, moderne und vielfältige Studienangebote zu gewährleisten. Angesichts der knappen finanziellen Mittel ist dabei eine weitere Schwerpunktsetzung und Profilbildung seitens der Hochschulen und Forschungsinstitute notwendig.
Wir streben eine Vereinbarung mit den Hochschulen und Forschungseinrichtungen an, die ihnen für die Dauer der Legislaturperiode Planungssicherheit gibt. Mit zusätzlichen Mitteln soll der Umstrukturierungsprozess der Hochschulen unterstützt werden, um die Qualität der Lehre zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Bremer Hochschulen und Forschungsinstitute zu erhalten.
Wir werden die gute Position Bremens im Wissenschaftsbereich dadurch untermauern, dass auch die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses einen zentralen Stellenwert erhält und die Betreuung von Studierenden verbessert wird. Unser Ziel ist es, die Kreativität im Wissenschaftsbereich zu stärken und einen gleichberechtigten Zugang zu den Hochschulen zu sichern.
Die Universität Bremen mit den um sie gelagerten Forschungsinstituten bleibt das Flaggschiff der bremischen Wissenschaftspolitik. Die enge Verbindung von Forschung und Lehre hat sowohl für die nationale und internationale Reputation des bremischen Wissenschaftssystems als auch die Innovationsfähigkeit von Unternehmen und Institutionen des Landes Bremen eine hohe Bedeutung. Die Jacobs University Bremen hat sich seit ihrer Gründung sehr gut entwickelt und in mehreren Anträgen bei DFG-Sonderforschungsanträgen sowie im Rahmen der Exzellenzinitiative zum Erfolg geführt. Auch die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremerhaven leisten ausgezeichnete Arbeit und haben sich über die Region hinaus einen guten Ruf erworben; dabei leistet gerade die Hochschule Bremerhaven einen besonderen Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels und die Hochschule für Künste bildet auf hohem Niveau Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler sowie Designerinnen und Designer aus und bereichert das Kulturleben in Bremen mit zahlreichen Ausstellungen, Aufführungen und Konzerten. Wir setzen uns für eine noch stärkere Zusammenarbeit der Hochschulen ein.
Keine allgemeinen Studiengebühren
Bildungschancen dürfen nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Studiengebühren verschlechtern die soziale Situation, insbesondere von Studierenden aus unteren und mittleren Schichten. Niemandem darf ein Studium nur aufgrund der Herkunft oder des Einkommens verwehrt bleiben.
Die Koalitionspartner stimmen darin überein, dass die Gebührenfreiheit des Erststudiums aus bildungspolitischen und sozialen Gründen geboten ist. Zur Landeskinderregelung werden wir die Diskussion fortsetzen, nachdem das rechtliche Verfahren abgeschlossen ist.
Studienanfängerzahlen stabil halten
Einerseits wird die Anzahl der Studierwilligen absehbar weiter steigen, andererseits hat die Einführung betreuungsintensiver Bachelor- und Master-Programme im Rahmen des Bologna-Prozesses generell dazu geführt, dass die Anzahl der Numerus-clausus-Studiengänge in Deutschland angestiegen ist. Der „Hochschulpakt“ von Bund und Ländern soll dazu dienen, die Hochschulen für die steigende Nachfrage offen zu halten.
Wir werden uns am Hochschulpakt aktiv beteiligen und wollen die Studienanfängerzahl des WS 2005/2006 halten, um in Bremen und Bremerhaven ein qualitatives Studienangebot zu erhalten und der jungen Generation Zukunftschancen zu eröffnen. Dies erfordert erhebliche Anstrengungen des Landes und der Hochschulen.
Das Land Bremen wird sich in der 2. Stufe der Föderalismusreform dafür einsetzen, dass die besondere Aufgabenstruktur des Stadtstaates durch die Beritstellung von Studienplätzen über den Bedarf der eigenen Landeskinder hinaus Berücksichtigung findet.
Qualität des Studiums
Die Qualität der Lehr- und Lernbedingungen gilt es nachhaltig durch gezielte Maßnahmen zu verbessern, wie z.B. durch eine stärkere Gewichtung von didaktischen Qualifikationen des Lehrpersonals bei Berufungen, Evaluationen von Fachbereichen und Lehrveranstaltungen durch Studierende, stärkere Gewichtung von Juniorprofessoren und Lecturer-Stellen. Zur Qualitätssicherung der zunehmend international ausgerichteten Ausbildung gehört ein höherer Anteil an obligatorischen Auslandsstudien. Eine eigene Initiative zur Exzellenz in der Lehre unter den Hochschulen wird angestrebt. Ziel muss es sein, Studienabbrecherquoten zu senken und die Studiendauer zu reduzieren.
Integration vorantreiben
Für die integrative Kraft von Städten und Ländern ist der soziale Aufstieg von Jugendlichen aus Migrantenfamilien eine wichtige Voraussetzung. Dies gilt nicht zuletzt für den Zugang zu den Hochschulen. Wir werden die Hochschulen des Landes darin unterstützen, spezielle Angebote vor der Zulassung für Jugendliche aus Migrantenfamilien anzubieten, um gerade in NC-Fächern die Aufnahmequote zu vergrößern.
Wir werden mit den Hochschulen gemeinsam Maßnahmen einleiten, die dazu beitragen, die Zahl von Jugendlichen aus Migrantenfamilien an den Hochschulen des Landes zu vergrößern.
Nicht-Abiturienten-Studium erleichtern
Ab 2015 wird es in Deutschland in vielen Arbeitsmarktsektoren zu wenige Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten geben; parallel dazu wächst das Interesse von Fachkräften, ein Studium aufzunehmen. Dies gilt insbesondere für Ausbildungsberufe, die häufig von Frauen gewählt werden und die häufig die so genannten „Sackgassenberufe“ darstellen. Dem müssen und werden wir Rechnung tragen.
Wir werden die Hochschulzulassung für Nicht-Abiturienten erweitern, ohne die Qualitätsstandards aufzugeben. Dies gilt insbesondere für so genannte Frauenberufe.
Qualitätsmanagement fortführen
Im Rahmen des Bologna-Prozesses nimmt die Qualitätssicherung der Lehre eine herausragende Rolle ein. Jedes einzelne Studienprogramm wird von Experten kritisch begutachtet. Qualität der Lehre setzt vor allem ausreichend Personal zur Betreuung der Studierenden voraus, nicht nur in den Anfangssemestern. In den Kontrakten mit dem Senator für Bildung und Wissenschaft soll mit den Hochschulen vereinbart werden, den Prozess der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen in ihren Fachbereichen konsequent fortzuführen.
In den Vereinbarungen mit den Hochschulen werden wir einen besonderen Akzent darin setzen, die Qualität der Lehre zu verbessern. Qualitätsverbesserung setzt neben der Fortführung von Qualitätsmanagementsystemen die Verbesserung der Betreuungsrelationen voraus.
Stärkung der Hochschulautonomie
Die Entwicklung der letzten zehn Jahre zeigt, dass die bremischen Hochschulen die größere Autonomie zur Stärkung ihres Profils, ihres Leistungsvermögens und ihrer Effizienz haben nutzen können. Wir wollen den Weg fortsetzen und prüfen, wie die Autonomie der Hochschulen insbesondere in den Bereichen des Zulassungs-, und Kapazitätsrechts und den Berufungsverfahren erhöht werden kann.
Wir wollen prüfen, wie die Hochschulen durch die Schaffung geeigneter Voraussetzungen noch wirtschaftlicher als bisher mit der Ressource „Fläche“ umgehen können. Mit der Einbeziehung der Flächennutzung in die Budgetverantwortung der Hochschulen bekommen diese zusätzlichen Ressourcen.
Internationalisierung von Forschung und Lehre
Die Hochschulen des Landes sollen auf ihrem Weg der Internationalisierung von Forschung und Lehre unterstützt werden. Neben der Entwicklung international ausgerichteter Forschungsprojekte und Studienprogramme schließt dies die Weiterentwicklung eines gemeinsamen Fremdsprachenzentrums ein.
Aktive Frauenförderung
Die erfolgreiche Förderung von Wissenschaftlerinnen wollen wir verstärken. Vor allem soll die Zahl der Frauen in der so genannten Post-Doc Phase (nach der Promotion auf dem Wege zur Professur) und der Anteil von Juniorprofessorinnen und Professorinnen weiter gesteigert werden. Darüber hinaus sollen die Hochschulen in ihren Bemühungen um eine gezielte Familienförderung und die Forderung von „Doppelkarrieren“ politisch unterstützt werden.
In Zielvereinbarungen mit den Hochschulen werden quantitative, bereichsbezogene Zielvorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils festgelegt. Für Gremien wie z.B. Berufungskommissionen werden generelle, ggf. gesetzliche Quotenregelungen getroffen.
Kinderbetreuung an den Hochschulen
Das Kinderbetreuungsangebot an den Hochschulen muss verbessert und an die zeitlichen Herausforderungen des Lehr- und Forschungsbetriebes angepasst werden.
Kooperation mit der Wirtschaft stärken
Wir werden die Hochschulen und Forschungsinstitute darin unterstützen, die Kooperation mit Unternehmen und Institutionen zu intensivieren, um sowohl die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft und öffentlicher Einrichtungen zu erhöhen als auch einen stärkeren Praxisbezug des Studiums und leichtere Übergänge von Absolventinnen und Absolventen in den Beruf zu begünstigen. Dabei sollen die bremischen Hochschulen ermutigt werden, beim Wissenschafts- und Technologietransfer noch enger als bisher miteinander zu kooperieren.
Drittmittel sichern
Um die Forschungsstärke des Wissenschaftsstandorts Bremen und Bremerhaven zu sichern, müssen die Voraussetzungen zur Einwerbung von Drittmitteln im Rahmen einer Prioritätensetzung erhalten bleiben. Mit der Einrichtung von DFG-Forschungszentren im Jahre 2000 und der Genehmigung von Exzellenzclustern bzw. Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative in den Jahren 2006 und 2007 hat im deutschen Wissenschaftssystem ein Prozess zur internationalen Sichtbarmachung deutscher Forschung begonnen. Im Rahmen dieser Wettbewerbe müssen die Länder bzw. die Universitäten Komplementärmittel zur Verfügung stellen (Artikel 91 b GG).
Chancen der Metropolregion nutzen
Um im härteren Wettbewerb bestehen zu können, ist es unabdingbar, dass die Universitäten des Nordwestens noch enger aneinander heranrücken. Dazu ist auch eine bessere Arbeitsteilung und Abstimmung der Angebote zwischen den Hochschulen notwendig, um den Studierenden beider Standorte insgesamt noch bessere Studienmöglichkeiten zu bieten. Im Rahmen unserer Aktivitäten zur Stärkung der Metropolregion Bremen/Oldenburg im Nordwesten werden wir die Hochschulen darin unterstützen, mehr gemeinsame Studiengänge und Forschungsprojekte zu betreiben. Wir streben eine strategische Allianz der Universität Bremen mit der Universität Oldenburg in Lehre und Forschung an. Hiervon soll insbesondere die Lehrerbildung profitieren. Wir streben eine vertragliche Regelung zwischen Bremen und Niedersachsen für eine gemeinsame Wissenschaftsplanung in der Nordwestregion Deutschlands an.
Ausstieg aus den Affenversuchen
Der Bürgerschaftsbeschluss zur Beendigung der Primatenversuche an der Universität Bremen wird wie beschlossen umgesetzt.
Außeruniversitäre Forschungsinstitute
Es wird geprüft, ob und welche außerhalb der Hochschulen gegründeten bremischen Forschungsinstitute in die Hochschulen integriert werden können.
Jacobs University Bremen entwickeln
Für den Wissenschaftsstandort Bremen ist inzwischen die Jacobs University eine wesentliche Bereicherung. Das Land hat den Aufbau unterstützt und seine Zusagen eingelöst. Aber erst die Spende der Jacobs Foundation hat von privater Seite die Zukunft dieser Institution gesichert. Die enge Kooperation zwischen der Universität Bremen und der Jacobs University stärkt den Standort Bremen insgesamt. Wir wollen die Chancen, die sich aus den Stärken der beiden Einrichtungen ergeben, noch besser nutzen. Mit der angestrebten Errichtung des Science Parks soll zugleich das Innovationspotenzial und die Beschäftigung hochqualifizierter Absolventinnen und Absolventen in Bremen gestärkt werden.