Wann ist ein Baum ein Baum? / "Fällverbot wird verwässert"
Der Umweltsenator braucht Nachhilfe. Meinen zumindest die Bremer Grünen. Ihrer Auffassung nach geht Ronald-Mike Neumeyer (CDU) zu sorglos mit Bäumen um.
Konkret geht es um die Neufassung des Bremer Naturschutzgesetzes, die Neumeyer auf den Weg gebracht hat. "Sie verwässert das von der Bürgerschaft einstimmig beschlossene Fällverbot in der Zeit vom 1. März bis 30. September", sagt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Karin Mathes. Für schmalwüchsige Bäume soll das allgemeine Fällverbot in der Vegetationszeit nicht mehr gelten. In der neuen Regelung werden Bäume erst als Bäume eingestuft und als Nistplätze für Vögel anerkannt, wenn sie einen Stammumfang von mehr als 80 Zentimeter haben. Salopp ausgdrückt, ist ein Baum erst dann ein Baum.
Diese fachliche Absurdität will Mathes nicht auf sich beruhen lassen. Sie bietet dem Umweltsenator botanischen Nachhilfeunterricht im Freien an. "In der ganzen Stadt findet man an jeder Ecke Bäume als Anschauungsobjekte, die zwar einen geringeren Stammumfang als 80 Zentimeter haben, aber mächtige Kronen oder ein hohes Lebensalter", erläutert Mathes. "Wer behauptet, diese Bäume seien für das Nisten für Vögel ungeeignet, stellt sich selbst ein Zeugnis der Unkenntnis aus." Schon jetzt gebe es genügend Spielräume für begründete Ausnahmen vom Fällverbot. "Wenn das noch nicht reicht, muss nachgebessert werden - nicht aber mit derart pauschalen Regelungen, die die Vielfalt der Baumarten ignoriert", so Mathes.
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